Eine Webseite ist eine Anschaffung, die Sie mehrere Jahre begleitet und die Sie vorher nicht ausprobieren können. Umso wichtiger ist, dass Sie beurteilen können, mit wem Sie es zu tun haben.
Wir hätten diesen Beitrag als Werbetext schreiben können. Stattdessen steht hier ein Prüfleitfaden – mit Fragen, die Sie jeder Agentur stellen sollten, uns eingeschlossen. Wenn wir dabei schlecht abschneiden, haben Sie etwas gelernt und wir auch.

Zwölf Fragen an jede Agentur
Die folgenden Fragen sind bewusst so gestellt, dass ausweichende Antworten auffallen. Notieren Sie sich die Antworten – der Vergleich zwischen zwei Anbietern wird damit erstaunlich eindeutig.
Zur Arbeitsweise
- Wer arbeitet konkret an meinem Projekt – und spreche ich mit dieser Person?
- Wird die Umsetzung im Haus gemacht oder weitergegeben?
- Wie viele Korrekturschleifen sind enthalten, und was kostet eine weitere?
- Was passiert, wenn wir während des Projekts feststellen, dass etwas anders sein muss?
Zur Technik
- Auf welcher Grundlage wird gebaut – Baukasten, Redaktionssystem oder eigener Code? Und warum diese?
- Wo wird gehostet, und wie oft wird gesichert?
- Wie erfüllen Sie die Anforderungen des BFSG?
- Kann ich Inhalte selbst pflegen, ohne etwas kaputtzumachen?
Zu Sichtbarkeit und Ergebnis
- Woran messen wir nach sechs Monaten, ob das Projekt erfolgreich war?
- Welche Suchbegriffe halten Sie für realistisch – und welche nicht?
- Zeigen Sie mir ein Projekt, bei dem etwas schiefgelaufen ist, und was Sie daraus gelernt haben?
- Was gehört mir am Ende: Dateien, Zugänge, Domain, Inhalte?

Fünf Warnzeichen
Manche Signale sprechen für sich. Wenn Ihnen eines davon begegnet, lohnt sich ein zweites Angebot.
- Garantierte Platzierungen: Niemand kann Position 1 bei Google garantieren. Wer es tut, verkauft entweder Suchbegriffe, die niemand eingibt, oder er sagt die Unwahrheit.
- Preis ohne Gespräch: Ein belastbares Angebot setzt voraus, dass jemand Ihr Vorhaben verstanden hat. Ein Festpreis nach einer E-Mail ist eine Schätzung, kein Angebot.
- Lange Mindestlaufzeiten: Wenn eine Betreuung nur mit 24 Monaten Bindung zu haben ist, stellt sich die Frage, warum Kunden sonst gehen würden.
- Die Domain läuft auf die Agentur: Domain, Hosting-Zugang und Inhalte gehören Ihnen. Alles andere macht einen Wechsel künstlich teuer.
- Portfolio ohne nachprüfbare Links: Screenshots sind schnell gemacht. Fragen Sie nach den tatsächlichen Adressen und sehen Sie nach, ob die Seiten noch online sind.
Was in einem seriösen Angebot steht
Ein gutes Angebot ist kein Preisschild, sondern eine Beschreibung. Sie sollten daraus ablesen können, was entsteht, in welchem Zeitraum und woran der Erfolg gemessen wird.
- Umfang in Seiten und Funktionen, nicht nur als Gesamtsumme
- Wer welche Inhalte liefert – Texte, Bilder, Logos
- Zeitplan mit Meilensteinen und Zahlungszeitpunkten
- Anzahl der enthaltenen Korrekturschleifen
- Was nach dem Livegang passiert und was das kostet
- Eigentums- und Nutzungsrechte an Dateien und Inhalten

Der Preis ist selten das richtige Kriterium
Wenn zwei Angebote 3.000 € auseinanderliegen, liegt das fast nie an der Marge, sondern am Umfang. Das teurere enthält meist Dinge, die im günstigeren fehlen – Strategie, Textarbeit, eigene Bilder, Suchmaschinenoptimierung, Barrierefreiheit.
Der ehrliche Vergleich lautet deshalb nicht „günstig gegen teuer", sondern „was bekomme ich für welchen Betrag". Bitten Sie beide Anbieter, das Angebot nach denselben Positionen aufzuschlüsseln. Häufig löst sich der Unterschied dann auf – oder er wird nachvollziehbar.
Und ein Gedanke zum Schluss: Die günstigste Seite ist die, die Anfragen bringt. Alles andere ist eine Ausgabe ohne Gegenwert, unabhängig von der Summe auf der Rechnung.
Lokal oder überregional?
Beides funktioniert – es hängt davon ab, was Sie brauchen. Für eine Seite ohne Fototermin und mit klarem Umfang ist der Standort der Agentur zweitrangig; gute Zusammenarbeit per Videokonferenz ist längst Normalfall.
Für lokale Sichtbarkeit spricht dagegen einiges für Nähe: Wer die Wettbewerbslage in der Stadt kennt, schätzt realistischer ein, welche Suchbegriffe erreichbar sind. Und wenn eigene Bilder entstehen sollen, muss ohnehin jemand vorbeikommen.
